Neulich hatte ich nach einem Meeting am Bratwurst Point im Basement eines Shopping-Centers ein Date mit einem Freund. Er ist Advertising Manager eines Call-Centers und kam von einem Workshop zum Thema "Active Engagement". Alle User sollten hierzu im Rahmen eines Brainwritings ihre Connection Ideas comitten und anschließend in einer Brain-Bank zusammentragen, um sie dann in ihre Below-the-Line Aktivitäten einfließen zu lassen. Das Ziel war, hochwertige Consumer-Insights für das nächste Kick-Off zu generieren. Die Zeit für unseren Talk reichte nur für einen Snack und einen Coffee to go, denn zwischen seiner Shopping Tour mit seinen Kids und seinem power walking Kurs mit body shaping hatte er noch einen Job in seinem Home-Office. So machte auch ich mich in der Rushhour auf den Weg, kaufte am Counter in der Lounge ein Ticket für die Economy Class und setzte mich in die train. Ähh.. sorry.. in den Intercity Express. Eigentlich wollte ich relaxen und in der Zeitung die Headlines lesen, doch die Eyecatcher waren zunächst Commercials für hair styling Produkte, outdoor jackets und Joghurt mit weekend feeling. Nach einem langen Tag, an dem ich mich auf der Post beim Kauf eines Paketes auch noch zwischen small, medium und large zu entscheiden hatte, fühlte ich mich total überfordert und schaute fragend aus dem Fenster. Ja! Auf dem Bahnhofsschild stand tatsächlich "Köln"!
Wann dort stattdessen in großen Lettern "Cologne" stehen wird, scheint jedoch wohl nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Die deutsche Sprache wird zunehmend - teilweise bis über die Grenzen des Zumutbaren hinaus - von einer Unzahl unnötiger Anglizismen überflutet. Manche Leute finden das "cool". Die Mehrheit der Menschen in Deutschland ärgert sich jedoch über die überflüssigen englischen Brocken und sieht darin eine abwertende Behandlung der deutschen Sprache.
Die weltweite Ausbreitung des American Way of Life, durch den sich die Lebensformen vieler Länder und deren Sprachen verändert haben sowie die geringe Treue einiger Deutscher zur eigenen Sprache und auch die gierige Bereitschaft zur Anbiederung an die englische haben mehr als anderswo zur Entstehung eines Sprachgemischs namens "Denglisch" beigetragen.
Natürlich bringt die zunehmende internationale Verflechtung vor allem in den Bereichen Wirtschaft, Politik, Kultur und Kommunikation dieses mit sich. Und auch in der Musikszene sowie Computerwelt stört es nicht. Doch man muss kein ewig Gestriger sein um in Frage zu stellen, Wörter wie Leibwächter, weiterleiten, Weihnachten oder Feuchtigkeitscreme durch Importvokabeln wie body guard, forwarden, xmas oder intensive anti-aging moisturizer zu ersetzen. Und manche Werbekampagne wäre noch erfolgreicher, würde sie auch von wirklich allen verstanden.
Eine Kultursprache wie die deutsche darf nicht mutwillig ihrer Schönheit, Kraft und Lebendigkeit beraubt werden. Sie ist ausdrucksstark genug, um viele englische Wörter zu vermeiden. Und Fremdwörter sind keineswegs der Beweis einer höheren Intelligenz oder Bildung. Oftmals täuschen sie sogar über das Gegenteil hinweg.
So freue ich mich über jeden, der den übertriebenen Gebrauch von Anglizismen im Deutschen vermeidet und dem Denglisch bewusst auch einmal seine Grenzen aufzeigt.
